Da hat die Musíkindustrie zum Tag des Urheberrechts (war, glaub’ ich, ab 26.04.) mal wieder kräftig rumgejammert und auf die Tränendrüsen gedrückt hat, hat vermutlich nicht jeder mitbekommen. (Den offenen Brief an unsere Bundesangie kann man sich im – bildzeitungsmäßig grauenhaft gesetzten – Original bei Heise angucken.) Schlimm ist schonmal, daß man die Schuld für das eigene Versagen wieder mal bei den bösen Raubkopierern sucht, anstatt sich mal Gedanken zu machen, ob man hinter eMule und BitTorrent nicht vielleicht doch ein Geschäftsmodell etablieren könnte. Aber nein, man jammert lieber seit Jahren auf hohem Niveau vor sich hin.
Fast noch schlimmer ist, daß sich unsere Kandesbunzlerin in Ihrem Videopodcast vom 26.04. eine Antwort auf diesen offenen Brief der Musikindustrie hat vorsagen lassen. Thematisch fundierte Kernaussage ist, daß das “Herunterladen von Computern” böse ist, und man sich auf internationaler Ebene arrangieren muß, um der Musikindustrie so lange Zucker in den Allerwertesten zu blasen, bis deren veraltetes Geschäftsmodell wieder funktioniert. (Eine schön formulierte Zusammenfassung kann man sich bei Nerdcore geben).
Während unsereins sich scheckig lacht über so viel Sachverstand, bastelt man bei der Piratenpartei an einem “Gegenbrief”, der – sollte er einmal fertig sein – auch unserem Bundesangie vorgelegt werden soll. Vielleicht gibt’s dann in ihrem nächsten Videoblog ein paar aufmunternde Worte für die Filesharer
Mein persönliches Fazit daraus: von den gut 200 “Künstlern”, die den Brief an Angela Merkel unterzeichnet haben (bzw. die von ihren Managern dazu genötigt wurden, so einen Abfall mit ihrem Namen zu legitimieren), kenne ich nur einen kleinen Teil – und da ist für meine Ohren nichtmal die Hälfte der Leute überhaupt in der Lage, sowas wie Kunst zu schaffen. Eine geklaute Melodie von einem Lied aus den 70ern, garniert mit viel Bass und abgeschmeckt mit Gestammele aus der Ghetto-Grundschule ist jedenfalls nicht das, was ich für eine schützenswerte künstlerische Leistung halte. Daher denke ich, daß diesen “Künstlern” nicht die bösen Raubkopierer den finanziellen Ruin bringen – es sind vielmehr die eigenen erbärmlichen Machwerke, die man in den deutschen Charts erdulden muß, die niemand mit einem Funken Hirn freiwillig kauft. Ihr schaufelt Euer eigenes Grab – macht nur weiter so, es wird Euch niemand vermissen.

