Sep 08

Wir befinden uns im Urlaub – genauer gesagt in Südirland – noch genauer in Dingle. Dort befindet sich direkt am Hafen das “Dingle Oceanworld Aquarium”. Der vierjährige Sohn ist vom Leben unter Wasser im Allgemeinen und Krabben, Krebsen etc. im Besonderen extrem fasziniert. Es ist also nur logisch, daß wir dem Aquarium einen Besuch abstatten. Das Aquarium ist nicht sehr groß, bietet aber viele Becken mit allerlei hochinteressantem Getier. Insbesondere die flachen “Anfass”-Becken, in denen sich Krebse und sehr neugierige Rochen befinden, faszinieren sowohl Kinder als auch Eltern.
Nachdem Söhnchen einen großen (von einem Aquarium-Mitarbeiter aus dem Wasser gefischten) Krebs anfassen durfte, hat er (der Sohn, nicht der Krebs) für die nächste Zeit ein neues Lieblings-Meerestier gefunden….

Am Ende des Aquarienrundgangs gelangt man (natürlich) in den Souvenierladen, den man durchqueren muss, um wieder zum Ausgang zu kommen. Clever. Sohn will natürlich die irische Wirtschaft finanziell unterstützen (lassen). Objekt des frühkindlichen Kaufrauschs ist aber keine Meerestier aus Plastik oder Plüsch (obwohl Krabben, Clownfische, Rochen und Haie einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben) – nein, mein Sohn will einen Roboter-Greifarm! Das Ding ist ca. 40 cm lang, hat einen Handgriff auf der einen und eine Art Zange auf der anderen Seite. Und sie macht schnarrende Geräusche, wenn man am Handgriff zieht. Prinzipiell ist das so ein Konstrukt wie die Abfallzangen, mit denen man Dreck vom Boden aufsammelt. So einfach sind die kleinen Freuden.

Warum ich Euch das erzähle und was das mit dem dämlichen Titel zu tun hat? Nur Geduld, kommt jetzt:

Die Roboter-Greifzange steckte in dieser Papphülle:

“with ratcht sound” deutet auf das Geräusch hin, das die Zange von sich gibt. Ok, kann man sich (so man des Englischen mächtig ist) ungefähr vorstellen.

Interessant ist die deutsche Übersetzung am Rand:

“Mit dem Klinkenrad-Ton”. Klinkenrad? Was zum Teufel ist ein  Klinkenrad?

Ok, Tante Guhgel hat mich dann belehrt, daß es tatsächlich Klinkenräder gibt und die auch wirklich so heißen. (Genau genommen wusste ich schon, was das ist – ich wusste nur nicht, daß das dann “Klinkenrad” heißt…). Bin halt Technokrat, kein Schlosser ;)

Ich muss jedenfalls jedesmal, wenn ich diese Zange sehe oder höre unfreiwillig an den freigestellten Singweisengriffer aus der Hackerbibel denken. Auch wenn “Klinkenrad” vielleicht die richtige Übersezung ist, klingt es imho äußerst dämlich.

Das mit dem Krebs als Lieblings-Meerestier ist inzwischen auch wieder Schee von gestern. Playmobil sei dank ist es mindestens seit heute ein Pottwal der Forscher mit kompletter Ausrüstung fressen kann…

Aug 30

Eigentlich wollte ich dieses Projekt für mich behalten, da ich es für nicht so wirklich gelungen halte – war immerhin auch mein erster Versuch, irgendwas in in ein Gehäuse zu stopfen, was da nicht hingehört. Nachdem ich heute aber gesehen habe, daß es Leute gibt, die das kommerziell machen und es auch nicht viel besser drauf haben als ich, kann ich mein Werk auch mal herumzeigen. Denk’ ich mal.

Seit einiger Zeit habe ich an meiner Wii eine Festplatte angebaut. Einerseits unheimlich praktisch, andererseits optisch nicht so der Bringer.

Beim Umräumen meines Computergerümpels ist mir ein Modul vom alten Super Nintendo in die Hände gefallen. Nachdem ich das Modul geöffnet und die Festplatte aus ihrem Gehäuse geschält hatte, war ich mir sicher, daß die Platte incl. USB-Controller in das Nintendo-Gehäuse passen müsste. Nachdem ich den Ding mit diversen ungeeigneten Werkzeugen (das nächste Mal nehm ich den Dremel mit einem Fräsaufsatz)  zu Leibe gerückt bin, war dann tatsächlich genug Platz im Inneren des Moduls, um die Platte aufzunehmen.

Hinter den Löchern verbergen sich Power- und Zugriffs-LED der Festplatte

Und wenn ich nächstes Mal manierliches Werkzeug verwende, werden die Durchbrüche im Gehäuse auch gerade ;)

Aug 18

Gerade aus dem Urlaub in Irland zurück, möchte ich mal ein paar Sachen zusamentragen, die vielleicht nicht jeder Irland-Urlauber weiß:

  • Auf der linken Seite zu fahren ist einigermaßen harmlos – man gewöhnt sich recht schnell daran. Am Anfang hilft es, den rechten linken Außenspiegel (also den auf der Beifahrerseite) ganz nach unten zu drehen, damit man praktisch den Boden neben dem Auto sieht. Damit kann man kontrollieren, wie weit man noch von Straßengraben/Hecke/Mauer/Abgrund entfernt ist, wenn man auf den schmalen Straßen einem anderen Verkehrsteilnehmer ausweichen muss.
  • schreckhafte Beifahrer(innen) gehören nicht auf den Beifahrersitz sondern auf den Sitzplatz hinter dem Fahrer. Warum? Weil man nicht ständig durch hörbares Atemanhalten oder Ausrufe wie “Vorsicht, der/die Straßengraben/Hecke/Mauer/Abgrund!” vom Verkehr abgelenkt werden will.
  • Linksfahranfänger sollten Pass-Strassen meiden – ist besser für die Nerven aller Beteiligten.
  • Geschwindigkeitsbeschränkungen außerorts (80 oder 100 km/h) sind als grobe Empfehlung zu werten. Man fährt so schnell, wie es die Bedingungen zulassen. Kein Einheimischer wird Hupen oder sonstwas dämliches machen, wenn man kurvige Straßen nicht mit vollgas fährt.
  • Wenn auf der Straße “Slow”, Slower”, “very Slow” (oder “Go Mall” in gälischsprachigen Gebieten) aufgepinselt ist, kommt kurz darauf eine mehr oder weniger scharfe Kurve. Da sollte man wirklich langsam fahren, wenn man die Strecke nicht kennt. Steigerung sind kleine Warnschilder mit der Aufschrift “Acute Bend Ahead”, dort sollte man parken und die Kurve zu Fuß nehmen.
  • Iren sind derbe Umweltsäue, die an jedem noch so abgelegenen Fleck Papier und Plastikflaschen in die Pampa werfen.
  • ein Cheeseburger bei McD. kostet 2,20 Euro! Burger schmecken allgemein etwas anders als hier.
  • Wenn man das System mit den mehrspurigen Kreiseln nicht verstanden hat: Macht nix, etliche Iren haben es offenbar auch nicht verstanden – oder es ist ihnen egal.
  • Beim Zahnarzt muß man bar bezahlen (Kreditkarte geht aber auch), ein Röntgenbild der Kauleiste kostet 10 Euro.
  • Wenn in der Wettervorhersage das Wort “humid” fällt, heißt das, daß es den ganzen Tag regnen wird.
  • Hotelzimmer in alten Burgen sind sehr gefällig, riechen aber etwas muffig.
  • Es gibt praktisch kein Mineralwasser mit Kohlensäure (und wenn, schmeckt es wie [Ihr wisst schon])
  • Am Hafen von Dingle gibt’s ein fast flächendeckendes offenes WLAN – das aber sehr wählerisch ist. Surfen mit dem Notebook scheiterte regelmässig (Connect ja, Daten nein), lediglich der Palm wurde aktzeptiert, aber nach ca. 150 KB Traffic auf Null gedrosselt.
  • Es gibt gälischsprachige Fernsehsender (mit englischen Untertiteln) – die Simpsons kommen aber im US-Original.
  • Schafe auf der Straße lassen sicher eher überfahren, als dass sie freiwillig aus dem Weg gehen. Hupen hilft.
  • Jeder Ire hat ein Mobiltelefon und benutzt es ständig und an den unmöglichsten Orten

To be continued…

Jul 26

Daß es mit den individuellen Rechten in Deutschland so langsam bergab geht, dürfte sich ja zwischen schon ‘rumgesprochen haben… Das, was in Braunschweig abgeht, ist aber an dummdeutscher Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten:

Flash-Mobs in Braunschweig verboten!

Wie schon in den letzten Jahren, habe ich auch in diesem ein drittes Picknick auf dem Schlossplatz geplant. Das Picknick war in den letzten Jahren ein Flashmob, bei dem sich bis zu 70 Menschen spontan zusammengefunden haben, um eine Stunde lang auf dem Schlossplatz friedlich mit Decke und Essen zu picknicken. Der Aufruf zum Picknick fand im Online-Netzwerk studiVZ statt.

Kürzlich erhielt ich Besuch von einem jungen Mann mit rosa Hemd, der sich mir als Mitarbeiter vom Ordnungsamt vorstellte. Er informierte mich, dass er erstens eine Moderatorin der Flashmob-Gruppe ausgefragt habe, wer denn der Gruppengründer sei, dass er zweitens meine Adresse detektivisch über studiVZ, myspace und die Subway herausgefunden habe (ein Blick ins Telefonbuch, wo ich unter Lord Dirk Schadt stehe hätte auch ge nügt) und dass ich drittens einen Termin mit Herrn Paschen vom Ordnungsamt, Fachbereich Bürgerservice, Öffentliche Sicherheit – zentraler Ordnungsdienst habe. Später wurde ich auch darüber informiert, dass meine studiVZ-Flashmob-Gruppe gemeldet wurde. Bei den Wörtern ‘aushorchen’, ‘ausspitzeln’ und ‘melden’ musste ich irgendwie an eine Behörde aus einem ehemaligen Nachbarland der BRD denken … Shocked

Beim Termin mit Herrn Paschen wurde mir dann folgendes mitgeteilt:
1) Jegliche öffentliche Flashmobs in Braunschweig sind illegal und werden notfalls mit einer Allgemeinverfügung verboten und polizeilich aufgelöst.
2) Auch der World Freeze Day, über den die Braunschweiger Zeitung sehr freundlich berichtet hat, werde zukünftig vom Ordnungsamt verboten, sofern sie rechtzeitig davon erfahren. Sad
3) Der öffentliche Raum in Braunschweig dient ausschließlich dem Verkehr, also dem Transfer von Wohnung a zu Wohnung b, von Wohnung a zu Geschäft b oder von Geschäft a zu Geschäft b.
4) Ich habe die Aufgabe, öffentlich bekannt zu geben, dass am 8.8. von 16 bis 18 Uhr KEIN Picknick auf dem Schlossplatz stattfinden wird.

Die Begründung für das Verbot lautet wie folgt:
a) Öffentliches Eigentum ist durch das Picknick gefährdet. Auf meine Frage, was denn gefährdet sei, antwortete mir Herr Heidelberg vom Fachbereich Öffentliche Sicherheit, dass das Sandsteinpflaster vorm Schloss teuer sei. Die Frage, inwiefern dieses Pflaster, über das tagtäglich Tausende von Frauen in High-Heels stolzieren, durch samtene Decke von Picknickern gefährdet sei, wurde mir leider nicht beantwortet.
b) Das Picknick könnte ähnlich wie eine Flashmob-Party auf Sylt ausarten und statt der erwarteten max. 100 Picknicker kommen mehr als 5 000 Personen, die kein friedliches nachmittägliches Flashmob-Picknick veranstalten, sondern eine wüste Orgie wie im Film “Das Parfüm”. Mit dieser Begründung lässt sich natürlich jeder Flashmob und jede Demo verbieten. Zehn leere Flaschen Wein könnten schnell zehn Mollis sein. Man beachte hier auch, dass ca. 100 Bürgerinnen- und Bürger-Picknicker der Stadt gefährlicher erscheinen als 10 000 Bürgerbruncher …
c) Auch die Anmeldung einer Demonstration ähnlich wie bei der Love Parade wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am 8.8. keine Aussicht auf Erfolg haben, weil eine Demonstration mit Picknick (schriftliches Zitat Paschen) “eine nicht genehmigungsfähige Sondernutzung” darstellt.

Aus diesem Grund ist mir wichtig, alle Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger darauf hinzuweisen, dass am 8.8. von 16 bis 18 Uhr KEIN Picknick auf dem Braunschweiger Schlossplatz stattfinden wird. Jeder Braunschweiger, der am 8.8. auf dem Schlossplatz eine Decke ausbreitet, Speis und Trank zu sich nimmt, mit Freunden plaudert, lacht, singt oder Tango tanzt, wird voraussichtlich mit Polizeigewalt daran gehindert.

Es würde mich freuen, wenn diese Botschaft in Braunschweig durch Flugblätter, in Online-Foren, Email-Verteilern, in Zeitungen und auf Luftballons verbreitet wird, da ich vom Ordnungsamt aufgefordert wurde, die Veranstaltung umgehend und umfassend zu widerrufen. Vielen Dank für Eure liebe Unterstützung!

[Quelle: http://de.indymedia.org/2009/07/256867.shtml]

Böse Zungen behaupten ja, daß der Bürgermeister einfach wieder ein bisschen Zucht und Ordnung in Brauschweig haben will…

Also: Am 08.08.2009 auf garkeinen Fall und überhauptnicht auch nur auf die Idee kommen, nach Braunschweig zu fahren um gegen 16 Uhr auf dem Schlossplatz eine Kleinigkeit zu essen. Weil das ist dort nämlich vom Ordnungsamt verboten worden.

Also auf keinem Fall zB. beim Mäckes gegenüber vom Schloss was zum Mitnehmen kaufen und auf dem Schlossplatz verzehren – wir wollen doch nicht die ortsansässigen Ordnungshüter ärgern, oder?

Jun 12

Kennt ihr das? Im Radio einmal ein Lied gehört, daß einem nicht mehr los lässt und sich total im Kopf festgedübelt hat?

Heute ist mir das passiert…. und dabei passt das Lied überhaupt nicht zu meinem “normalen” Musikgeschmack :-\


YouTube DirektRungdedungdedungdungdungdung

Jun 01

Ich hab’ in der rechten Sidebar eine Rubrik mit dem Namen “Momentaufnahmen” eingebaut. Dort werde ich in Zukunft gelegentlich mal Bilder von Sachen posten, die mir gerade so vor die Linse meines Treos gehüpft sind und nicht interessant genug sind, um daraus einen Blogeintrag zu machen, aber auch nicht so uninteressant, daß man sie ungebloggt vorübergehen lassen sollte. Da kommt also komisches Zeugs ‘rein, das nicht für die Ewigkeit bestimmt ist…

Wenn Ihr da also längere Zeit immer das gleiche Bild seht, wisst Ihr, daß mein Leben ähnlich ereignislos ist wir Eures :-D

Jun 01

…oder auch WTF ist das?

Heute war ich mit meiner Sippe seit längerem mal wieder im McDonalds…

Die Kinder und ich haben uns ans Standardprogramm gehalten: Junior-Tüte Happy-Meal, BigMac, Cheeseburger, ChickenMcNuggets, Fritten, Fruit’n Yoghurt. Meine Frau hat einen der angepriesenen “Ciabatta-Schlagmichtot-Senf” bestellt. Sah’ auf den Bildern auch ganz gut aus. Als wir dann am Tisch angekommen sind und die Fressalien verteilt waren, stellte sich heraus, daß das kleinste aller Nahrungspäckchen für meine Frau bestimmt war:

Mja, da hätten wir doch ein bisschen mehr erwartet. Der Burger im Vordergrund ist ein BigMac (der ja auch nicht mehr ganz so groß ist, wie er mal war), das traurige Zwergenburgerchen im Hintergrund ist der besagte Ciabatta-Senf-Dingens. Dagegen sind sogar die Aufbackbrötchen von Aldi wahre Riesen. Geschmeckt hat er übrigens ganz gut – aber halt nicht lange ;-)

Warum erinnert mich das immer an die Frühstücksszene in “Falling Down”?


YouTube DirektBurger

(Ab 3:55 gucken!)

May 21

Heute ist der Tag, an dem sich normalerweise alle Väter in kleinen Gruppen zusammenrotten um ihre Vaterschaft tüchtig zu begiessen. Alle? Nicht ganz… Ich z.B. bin heute durch die Gegend gefahren, um einen riesigen Eck-Kleiderschrank (2,10m hoch, 1,30m Seitenlänge) für mein Töchterchen abzubauen und nach Hause zu karren. Zum Glück muss ich ihn heute nicht mehr aufbauen – das steht mir erst bevor, wenn sie in ihr neues Zimmer umgezogen ist. Müde bin ich jetzt trotzdem…

Ich wünsche allen Vätern einen schönen Vatertag :-)

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May 07

Frau von der Leyen hat uns mit ihren Zensurphantasien ja ein schönes Ei ins Nest gelegt. Wer (wie ich) öffentlich zum Ausdruck bringen will, was er von Netz-Zensur hält, kann sich jetzt ein standesgemässes Kleidungsstück zulegen:

3Dsupply verschenkt ab sofort in Zusammenarbeit mit dem Foebud e.V. das Shirt “Zensursula“. 

Lediglich die Versandkosten von 6,90 werden fällig, wenn ihr ausser dem Shirt Nichts dazubestellt. Ab 10 Euro Bestellwert knöpfen sie Euch nur noch 2,50 Versandkosten ab. 

Guckt Euch ruhig noch ein bisschen bei denen um, die haben etliche coole Shirts im Angebot… (Das hier fand ich auch recht gelungen)

Meine sind heute angekommen :-)

Apr 26

Dieser Gastbeitrag stammt von Jens Scholz, der ausdrücklich zum Kopieren und Verbreiten aufgefordert hat. Spread the word.

Da reiben sich gerade so viele die Hände, daß man eigendlich ein beständiges Rauschen hören müsste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuführen war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalität nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenmäßig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie schützen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod führen kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der übrigens natürlich nicht im Netz “erwischt” wurde, sondern über Handykontakte und DVDs per Post).
Aber ich schweife schon wieder – wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gewünscht ist – ab.
Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja natürlich nicht, daß man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie.
Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, daß eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, Zensur ermöglicht wird. Auch wenn die zunächst gesperrten Websites tatsächlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten müsste) wäre sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu können.

Technik
Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, daß Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen könne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden.

Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erhält die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, weiß er nicht und nachprüfen darf er das auch nicht, da ja schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, daß er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen.
Die allein schon technisch verursachten Risiken für jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie müssen künftig ihre Unschuld beweisen, z.B. daß sie “versehentlich” die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spaß beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erklären, wenn Sie überhaupt wissen, was das ist.
Die Lösung zunächst: Den Nameserver umstellen, um sich dieser Gefahr vollständig zu entziehen. Geht schnell und kann jeder.
Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbemühungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort können dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von Nerds gebaut worden. Ein Staat kann da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren können.

Verwaltung
Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen:
1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Prüfungsinstanz erstellt und die die Provider möglichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter über den Inhalt, es überprüft keine unabhängige Institution über die Rechtmäßigkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen überhaupt wieder von der Liste gelöscht werden könnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher darüber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei.
2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die Öffentlichkeit gerät kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verdächtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert.
3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, daß das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz möchte, daß auch “mittelbare” Seiten gesperrt werden können, kann somit de facto auch jede Seite gesperrt werden.
4. Das System soll die direkte Verfolgung von Zugriffen erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass für verdeckte Überwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorgänge sein.
Die Staatsanwälte dieses Landes üben ja seit einiger Zeit kräftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen über eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu möglichst spektakulär und öffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, Frau B.).

Psychologie
Womit wir schon beim gewünschten Effekt von Zensur sind: Die Einführung der Schere im Kopf. Die wirksame Selbstzensur, weil man nicht weiß, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik äußert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre völlige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewußt eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen.
Ein anderes ist die Verknüpfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels wären. Man weiß ja inzwischen, daß auch nur der leiseste Ruch, man könnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und Pädophilen zu tun haben, die Existenz vernichten kann, selbst wenn hinterher rauskommt, daß tatsächlich nichts an den Vorwürfen dran war. Wie nahezu generell nichts rauskommt. Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was natürlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weilsein Versuch, diese Schere im Kopf einzuführen (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden Trigger dranhängt (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt).

Die Justizministerin gibt dann noch Tipps in die richtigen Richtungen, die natürlich prompt reagieren. Überhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, daß Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war – so sagt sie zumindest - sie es, die den Gesetzentwurf gegenüber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen verschärfen ließ und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.

Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft überhaupt dazu kommen kann, daß ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu müssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich zähle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bekämpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel “Kampf der Kulturen” drüben bei netzpolitik.org durchlesen.